Anständig führen – Anständig Firmen übergeben (Teil III)

Prof. Schweinsberg hat acht Erfolgstugenden identifiziert. Sie helfen, ein Unternehmen „anständig„, d.h. handwerklich gekonnt und moralisch gut, zu führen. Wie sich diese Tugenden in der Unternehmenspraxis anwenden lassen, hat er in seinem Buch: Anständig führen, Herder Verlag, 2. Auflag. 2014, plastisch beschrieben. Wie Sie diese Tugenden in einem Unternehmensnachfolgeprozess gewinnbringend einsetzen können, erfahren Sie im Folgenden (im vorletzten Blog hatte ich die Tugend „klare Absicht“ bereits ausgeführt, im letzten Blog die Tugenden Spürbare Authentizität, professionelle Agilität und kompromisslose Aufrichtigkeit):

Konzentrierte Achtsamkeit

Gute Führungskräfte achten auf die Dinge und vor allem auf die Menschen. Der amerikanische Management Guru Tom Peters schreibt:

Große Führungskräfte sind wirklich präsent. Sie konzentrieren sich auf ihr Gegenüber.

Im Übergabeprozess kennt die Achtsamkeit des Firmeninhabers mindestens drei Adressaten: sich selber, den Übernehmer und die Mitarbeiter. Achtsamkeit mir selber gegenüber bedeutet, dass ich auf meine Bedürfnisse schaue und dafür sorge, dass sie im Prozess adressiert werden. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Versorgung für die Zeit nach der Übergabe, sondern auch und gerade um die Gestaltung des eigenen Lebens nach der Übergabe.

Achtsamkeit dem Übernehmer gegenüber äußert sich darin, dass ich versuche, ihn oder sie in verschiedenen Situationen und Gesprächen genauer kennen zu lernen. Das bedeutet auch, dass der Übergeber nicht nur erzählt, sondern auch zuhört. Wie will der Nachfolger die Firma führen? Was will er lassen, was will er verändern? Passen seine Pläne zur „Mannschaft“. Wir es Mitarbeiter geben, die sich mit dem neuen Unternehmensführer schwer tun?

Ein Übergabeprozess ist für die Mitarbeiter immer eine Zeit der Unsicherheit. Ein Übergeber, der auf seine Mitarbeiter achtet, ihnen zuhört, wird ihre Ängste und Nöte, aber auch ihre Hoffnungen mit der Übergabe aufnehmen und im Tandem mit dem Übernehmer adressieren.

Zwei Eigenschaften helfen, achtsam mit sich und den Menschen umzugehen: Demut und Humor. Beide – Humor und Humilitas (Demut) beruhen auf dem gleichen lateinischen Wortstamm. Demut und Humor helfen mir zuzugeben, dass nicht alles, was ich getan habe, perfekt war. Wenn es nicht perfekt war, braucht es auch nicht endgültig sein. Demut hilft, dem Übernehmer die Erlaubnis zu geben, die Firma in seinem Sinne zu führen und zu verändern, natürlich unter Beachtung der acht Erfolgstugenden und der Geschichte des Unternehmens. Es geht um die Bereitschaft, Veränderungen zuzulassen, nicht um ungezügelten Wildwuchs.

Breite Aufmerksamkeit

Gute Führungskräfte sind immer bereit, etwas Neues zu lernen. Sie erweitern gezielt ihren Horizont, schauen über den Tellerrand. Sie sind Teil von Foren oder Netzwerken. Auch Benchmarking mit anderen Firmen kann dazu zählen.

Der Übergabeprozess ist für den Unternehmer in aller Regel Neuland. Warum nicht andere fragen, die ihn schon gemeistert haben. Über den eigenen Rechts- oder Steuerberater, die Bank oder professionelle Nachfolgeberater lassen sich Kontakte zu anderen Unternehmern aufbauen, die schon durch den Prozess gegangen sind. Durch Gespräche – achten sie dabei auf dass, was ihr Gegenüber sagt – bereiten sie sich so innerlich auf den Prozess vor und können so die ein oder andere Falle umgehen. Professionelle Nachfolgeberater haben vielfache Erfahrungen gesammelt, die man nutzen kann.

Echte Ambition

Was treibt sie wirklich an? Wann beginnen ihre Augen zu leuchten? Worauf sind Sie stolz, wenn Sie an ihr Unternehmen denken?

Ohne echte Ambitionen an der Spitze kann keine Organisation auf lange Sicht erfolgreich sein. Hat ihr Nachfolger diese Ambitionen? Spüren Sie es ihm ab? Wenn ja, dann ist er/sie der/die Richtige. Wenn nein, müssen Sie ihre Auswahl möglicherweise überdenken.

Und: Was sind ihre Ambitionen nach der Übergabe? Wie können Sie diese weiter leben? Häufig stehen hinter den Ambitionen Motive und Werte, die sich auch auf ganz andere Art und Weise ausleben lassen, auch nach der Übergabe der Firma. Hier kann ein professioneller Coach helfen, dass Sie ihre Ambitionen für die neue Lebensphase entdecken und angehen.

Gesunde Ausdauer

Übergabe ist ein langwieriger Prozess, besonders wenn es um die Übergabe an die eigenen Kinder oder enge Verwandte geht. Dieser Prozess will professionell gestaltet sein und er muss bis zum Ende durchgehalten werden. Dazu braucht es Stamina bei allen Beteiligten. Und den Willen, die Übergabe erfolgreich zu meistern.

Resiliente Menschen und Unternehmen überstehen solche Prozesse gestärkt. Unter Resilienz versteht man die Fähigkeit eines Menschen oder Unternehmen, mit Überraschungen, Wechsel und unerwarteten Rückschlägen in einer gesunden Art und Weise umzugehen.

Fazit

Diese Liste der Tugenden erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie will zum Denken und Gestalten des Übernahmeprozesses anregen. Wo stehen Sie, Ihr Nachfolger, Ihr Unternehmen in Bezug auf die acht Tugenden? Passt alles? Oder gibt es Nachsteuerungsbedarf? Nehmen Sie sich die Zeit und machen Sie eine persönliche Inventur dieser Tugenden. Dazu können Sie die Tugenden bewerten, z.B. auf einer Skala von 1 (nicht vorhanden) bis 5 (für jeden sichtbar ausgeprägt). Reflektieren Sie ihre Ergebnisse mit einem ausgebildeten Coach und/oder einem beruflichen Weggefährten. Vergleichen Sie ihre Ergebnisse mit denen ihres Nachfolgers.

Diese Analyse wird Ihnen helfen, für Ihren individuellen Nachfolgeprozess die richtigen Akzente zu setzen und ein für alle Beteiligten gutes Ergebnis zu erzielen. Vielleicht stellen Sie auch fest, dass es ohne professionelle Hilfe nicht geht. Hier biete ich meine Dienste als Coach und Berater an. Bitte nehmen Sie Kontakt auf. Gerne berate ich Sie.